Padre Cocha – Volunteering im Pilpintuwasi

Das letzte Monat habe ich im peruanischen Amazonas-Regenwald verbracht und im Pilpintuwasi Amazon Animal Orphanage als Freiwillige mitgeholfen. Diese Volunteer-Möglichkeit habe ich ganz zufällig während einer Internetrecherche zu Iquitos (der nächstgelegenen Stadt) gefunden – Gott sei Dank, denn ich habe die Zeit dort sehr genossen!

Das Pilpintuwasi befindet sich in Padre Cocha, einem kleinen Dorf ca. 20 Minuten per Boot von der Großstadt Iquitos entfernt. Iquitos liegt im Nordosten von Peru und ist nur per Flugzeug oder Frachtschiff zu erreichen, weil durch seine Lage mitten im Amazonas keine Straßen dort hinführen. Das merkt man auch am Verkehr. Während in anderen peruanischen Städten Autos dominieren, sieht man diese in Iquitos kaum. Der Großteil des Verkehrs besteht aus motorisierten Tuk Tuks (sogenannten „Mototaxis“), Mopeds und alten Stadtbussen. Das Ganze macht einen ziemlichen Lärm. Da war es in Padre Cocha dann doch angenehmer. Autos gibt es dort überhaupt keine, dafür wären die Straßen auch viel zu schmal. Mototaxis fahren auch dort, aber natürlich viel weniger als in der Stadt. Einmal in der Woche fuhr ich dann nach Iquitos, um dort einzukaufen. In Padre Cocha gibt es nämlich nur ein paar ganz kleine Läden, in denen das Allernotwendigste verkauft wird.

Padre Cocha

Das Pilpintuwasi startete eigentlich als Schmetterlingsfarm. Es sprach sich aber schnell herum, dass die Besitzerin Gudrun (eine Österreicherin) ein sehr großes Herz für Tiere hat, weshalb die Leute damit begannen, gerettete Tiere bei ihr abzugeben. So hat sich das Pilpintuwasi im Laufe der Zeit auch zu einer Auffangstation für wilde Tiere entwickelt, die heute auch sehr großen Wert darauf legt, die Menschen für die Problematik des illegalen Wildtierhandels zu sensibilisieren. Nach Drogen und Waffen ist dies nämlich der drittgrößte Schwarzmarkt der Welt. Leider gibt es immer noch sehr viele Menschen, die es für eine gute Idee halten, ein wildes Tier als Haustier oder touristische Attraktion zu halten. Da die Käufer einen Haufen Geld dafür bezahlen, schrecken Wilderer auch nicht davor zurück, bedrohte Tierarten zu jagen, obwohl dies eigentlich verboten ist. Auch Touristen tragen zum Wildtierhandel bei. So gibt es zum Beispiel in der Nähre von Padre Cocha ein Restaurant, das wilde Tiere in winzigen Käfigen hält, um Touristen damit anzulocken – was leider funktioniert. Außerdem sieht man in der Umgebung immer wieder Souvenirs, die zum Beispiel aus Ozelot-Fell oder Tukan-Federn gemacht wurden. Viele Touristen denken leider nicht darüber nach, dass sie den illegalen Wildtierhandel unterstützen, wenn sie diese Souvenirs kaufen.

Alle Tiere im Pilpintuwasi (außer den Schmetterlingen) sind auf die ein oder andere Weise Opfer des illegalen Handels geworden. Viele wurden als Babys hierhergebracht, nachdem ihre Eltern getötet wurden (oftmals ganz bewusst – das ist die einzige Möglichkeit, ein Baby zu fangen und es als Haustier zu verkaufen). Außerdem sind die meisten Tiere dehydriert, verletzt und/oder krank, wenn sie ankommen. Vor allem kleine Affen ziehen sich oft Verletzungen zu, wenn sie vom Baum fallen, weil die Mutter erschossen wird. Die Tiere werden dann im Pilpintuwasi aufgepäppelt und, wenn irgendwie möglich, wieder in die Wildnis freigelassen. Eine Auswilderung ist aber leider in den allerwenigsten Fällen realistisch. Die Tiere sind teilweise so traumatisiert, dass sie in der Wildnis nicht zurechtkommen würden bzw. eine Gefahr für andere Tiere (auch der eigenen Art) darstellen würden. Hinzu kommt, dass die peruanischen Gesetze für eine Auswilderung extrem streng sind und das auch bei den Tieren, die in der Wildnis überleben würden, nicht erlauben. Das Pilpintuwasi und andere Auffangzentren bekommen nämlich nur das „Sorgerecht“ für die Tiere, offiziell sind sie im Besitz des Staates. Förderungen gibt es allerdings trotzdem keine.

Zur selben Zeit wie ich war auch noch ein zweiter Volunteer im Pilpintuwasi: Jonathan aus Australien. Er hat in derselben Unterkunft wie ich gewohnt, weshalb wir auch den Weg in die Arbeit  und von der Arbeit heim gemeinsam zurücklegen konnten, was sehr angenehm war, weil wir in eine Richtung fast eine halbe Stunde unterwegs waren. Zu unseren täglichen Aufgaben zählte es dann zum Beispiel, Spielzeug für die Kapuzineraffen zu basteln. Diese sind sehr intelligent und brauchen deshalb immer Beschäftigung. Wir haben Früchte oder Brot in Flaschen oder Kartons versteckt und versucht, diese so zu schließen, dass die Affen sie nicht sofort aufbekommen. Normalerweise brauchten sie aber nur ein paar Sekunden, um sich die Belohnung zu schnappen 😄 Außerdem haben wir „Monkey Cookies“ vorbereitet. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Bananen und eigenen „Keksen“ für Tiere. Aus der Masse haben wir dann kleine Kugeln geformt und sie an die Tiere verteilt. Wir führten auch Besucher herum und halfen bei unterschiedlichsten Arbeiten, die gerade anfielen. Kurz vor Feierabend gingen wir dann meisten noch hinaus auf die Wiese vor dem Pilpintuwasi, um Heuschrecken zu fangen. Die kleineren Affenarten lieben diesen Snack und die Kinder aus dem Dorf freuten sich immer, wenn sie uns beim Fangen helfen konnten 😊

Heuschrecken fangen mit den Kindern aus Padre Cocha

Tiere im Pilpintuwasi:

Schmetterlinge: Insgesamt werden im Pilpintuwasi um die 15 verschiedene Schmettlingsarten gezüchtet. Man sieht aber nie alle gleichzeitig, weil sie das Schmetterlingsstadium nicht zur selben Zeit erreichen. Die Schmetterlingsfarm teilt sich auf zwei Räume auf, die „Hatchery“ und das Schmetterlingshaus. In der „Hatchery“ werden die Eier, Raupen und Puppen überwacht bis die Schmetterlinge schlüpfen. Sobald sie geschlüpft sind und fliegen, werden sie dann ins Schmetterlingshaus gebracht oder freigelassen.

Tapir: Chibolo ist der Tapir des Pilpintuwasis. Er wurde aus einem schwimmenden Restaurant gerettet, wo er als Touristenattraktion in einem winzigen Käfig gehalten wurde. Chibolo liebt es, zu schwimmen und an seinem Gehege vorbeigehende Leute anzupinkeln 😁  (Er beginnt gerade damit, sein Revier zu markieren.) Tapire sind sehr stark vom Aussterben bedroht, weil sie für ihr Fleisch gejagt und oft schon erschossen werden, bevor sie sich fortpflanzen konnten. So hat es der Mensch „geschafft“, eine Tierart, die seit Tausenden Jahren existiert, innerhalb weniger Jahrzehnte fast komplett auszurotten.

Rote Uakaris: Die roten Uakaris sind die einzigen Affen im Pilpintuwasi, die im Prinzip frei herumlaufen können. Das ist vor allem deshalb möglich, weil sie normalerweise sehr freundlich sind und keine Gefahr für die Menschen oder die anderen Tiere des Pilpintuwasis darstellen. Um sie trotzdem auf Abstand von den Besuchern zu halten (und umgekehrt) gibt es eine Art Korridor, innerhalb dessen sich die Besucher aufhalten. Die roten Uakaris gehören zu den bedrohtesten Affenarten der Welt. Auch sie werden für ihr Fleisch gejagt. Außerdem sind Zoos oft dazu bereit, sehr viel Geld dafür zu bezahlen, so seltene Affen in ihre „Sammlung“ aufnehmen zu können, was sie ein gutes Geschäft für Wilderer macht. Im Spanischen bezeichnet man die Roten Uakaris auch als „englische Affen“, weil ihr Gesicht so rot ist 😁  Sie haben aber keinen Sonnenbrand, ihre Gesichtskapillaren liegen einfach nur sehr nahe bei ihrer Haut.

Brüllaffe: Ali ist der einzige Brüllaffe im Pilpintuwasi. Er kam schon als Baby hierher. Man sieht ihn normalerweise nur relativ selten, hört ihn dafür aber umso lauter 😄 Auch Ali darf sich immer wieder frei herumbewegen.

Zwergseidenäffchen: Zwergseidenäffchen sind die kleinsten Affen der Welt, was sie leider auch zu einem häufigen Opfer von Schmugglern macht, weil man sie sehr leicht verstecken kann. Außerdem gibt es viele Leute, die sie als Haustiere halten. Dabei werden sie oft komplett falsch ernährt und sterben innerhalb weniger Wochen. Die Zwergseidenäffchen im Pilpintuwasi wurden am Flughafen konfisziert, als versucht wurde, sie aus dem Land zu schmuggeln.

Die „ADI-Abteilung“: ADI (Animal Defenders International) ist eine NGO, die sich für die Rechte von Tieren einsetzt und immer wieder mit dem Pilpintuwasi zusammenarbeitet. Vor ein paar Jahren haben sie an die 40 gerettete Tiere (vor allem Affen) hierhergebracht, die in einem eigenen – für Besucher nicht zugänglichen Bereich – des Pilpintuwasis untergebracht sind. Unter ihnen befinden sich Kapuzineraffen, Totenkopfäffchen, ein Wollaffe und Klammeraffen.

Totenkopfäffchen Nele

Vor allem zwei der Klammeraffen haben es wirklich schlimm erwischt. Sie wurden in einer Garage angekettet und geschlagen, weshalb sie immer noch Angst vor Menschen haben. Bei Fremden reicht es, sie nur ein bisschen zu lange anzusehen und sie werden furchtbar nervös. Deshalb dürfen Besucher auch nicht nahe zu ihrem Gehege. In meiner letzten Volunteer-Woche kamen außerdem 4 neue Kapuzineraffen im Pilpintuwasi an 😊 Einen anderen Neuankömmling gab es dieses Jahr auch schon: Alfredo, ein kleiner Kapuzineraffe, der mit der Flasche aufgezogen wurde und sich noch nicht ganz daran gewöhnt hat, jetzt nicht mehr so viel Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen. Sobald man bei seinem Gehege vorbeigeht, streckt er einem die Hände entgegen und will „Händchenhalten“. Wir durften auch manchmal zu ihm und mit ihm „spielen“ 😊

Als ich vor einem Monat ankam, war auch noch der Saki-Affe Florian in dem Bereich untergebracht. Er wurde aber auf „Monkey Island“ übersiedelt, ein Auffangzentrum für Affen. Dem Besitzer gehört die ganze Insel, weshalb er die Affen auch komplett frei herumlaufen lassen darf. Da Florian bei uns der einzige Saki war und dort auch noch ein anderer Saki lebt, wurde entschlossen, dass es das Beste für ihn wäre, mit seinem Artgenossen (frei) auf Monkey Island zu leben. Für den Transport waren Jonathan und ich zuständig. Wir fuhren also mit dem Affen im Transportkäfig nach Iquitos, wo wir den Besitzer von Monkey Island trafen und dann gemeinsam in einem Speedboat zur Insel fuhren. Nach ein paar Minuten zog dann langsam ein Gewitter auf und es begann sehr stark zu regnen. Jonathan und ich dachten uns anfangs nicht viel dabei. Die Wellen wurden halt etwas höher, aber wir hatten eigentlich nicht das Gefühl, dass es wirklich schlimm war. Die Locals wurden aber immer panischer, was uns dann auch verunsichert hat. Schlussendlich musste das Schiff „notanlegen“ und alle mussten aussteigen. Nach ca. einer halben Stunde wurde das Wetter aber wieder ruhiger und wir konnten weiterfahren. Da es dann aber schon zu spät war, das letzte Boot zurück nach Padre Cocha zu erwischen, blieben wir über Nacht auf Monkey Island und fuhren erst am nächsten Tag wieder zurück.

Florian in seinem neuen Zuhause

Vögel: Im Pilpintuwasi leben insgesamt sechs Aras. Auch sie bewegen sich untertags frei herum und werden nur am Abend in ihr Gehege gebracht. Das Wort „fliegen“ verwende ich hier absichtlich nicht, das können sie aufgrund ihrer gestutzten Flügel nämlich nicht mehr 😥 Auf Bäumen und Häusern sieht man sie aber trotzdem sehr oft, sie sind nämlich überraschend geschickte Kletterer. Natürlich liefen sie aber auch immer wieder am Boden herum, was jeden Mitarbeiter, der vorbeikam (Besucher sind ja durch den Korridor geschützt) in leichte Alarmbereitschaft versetzte, weil man nie wusste, wann sie auf einen zulaufen und versuchen würden, einen in die Zehen zu beißen. Ich hatte Gott sei Dank immer feste Schuhe an 😁

Außerdem gibt es drei Amazonaspapageien und einen Tukan (Tobias). Beide Vogelarten werden für ihr Gefieder gejagt. Vor allem Papageien werden auch gerne als Haustiere gehalten, weil sie die Fähigkeit haben, sprechen zu lernen (bzw. das Gesagte nachzuahmen). Tukane werden sehr oft einfach getötet, bei Tobias war das aber nicht der Fall. Er wurde in Gefangenschaft gehalten und so falsch ernährt, dass er aufgrund von Proteinmangel ein Loch in seinem Schnabel hatte, als er ins Pilpintuwasi kam. Mittlerweile ist das aber wieder komplett verheilt 😊

Jaguare: Pedro, der Jaguar, war eines der allerersten Tiere im Pilpintuwasi. Er wurde als Baby in eine Holzschachtel gepackt und einfach vorm Eingang abgelegt. Vor ca. einem Jahr wurde dann auch Oritia gerettet. Sie lebt in einem für Besucher nicht zugänglichen Bereich des Rescue Centers. Momentan wird gerade alles versucht, um sie in einem Auswilderungs-Programm unterzubringen, dies gestaltet sich aber leider als sehr schwierig 😬  

Nasenbären: Der Nasenbär Josefa kam erst vor ein paar Monaten ins Pilpintuwasi. Sie wurde von der Polizei konfisziert und von den Polizisten als Haustier behalten 🙈 Die Nahrung, die man ihr gab, (Pommes, Erdbeerjoghurt, etc.) war für Nasenbären absolut nicht geeignet, was dazu führte, dass sie sehr krank wurde. Nachdem sie ihren Weg ins Pilpintuwasi gefunden hatte, verlor sie außerdem sehr viel Gewicht, weil sie die übliche Nasenbärennahrung nicht kannte und verweigerte. Mittlerweile ist die Ernährungsumstellung aber geglückt und sie gräbt sogar schon nach Würmern und anderen Insekten 😊 Außerdem wird gerade versucht, sie in die Gruppe der anderen Nasenbären zu integrieren.

Ozelots: Harry und Togos sind die beiden Ozelots im Rescue Center. Togos wurde von einer Familie als Hauskatze großgezogen bis er eines Tages den Vater schwer verletzte. Da ihn die Familie trotzdem so gerne hatte, wollte sie aber nicht, dass er eingeschläfert wird und brachte ihn ins Pilpintuwasi. Die Umstellung fiel ihm aber sehr schwer, sodass er eines Tages sogar Harry durch das Gehege-Gitter hindurch attackierte. (Ozelots sind Einzelgänger, deshalb hatten die beiden zwei getrennte Gehege nebeneinander.)  Seitdem hat Harry eine Prothese in einem ihrer Hinterbeine und hinkt.

Dazu kommen dann noch der Ameisenbär Silvia, ein paar Agutis, ein Wickelbär (den ich aber kein einziges Mal zu Gesicht bekam, weil er nachtaktiv ist) und einige Tamarine und Schildkröten.

Mir hat die Zeit im Pilpintuwasi wirklich sehr gut gefallen. Ich durfte dort sehr viele Erfahrungen sammeln, die ich so schnell sicher nicht vergessen werde 😊 Sollte jemand einmal in der Nähe von Iquitos sein, kann ich euch einen Besuch (und ein Volontariat!) wirklich ans Herz legen. Es ist eines der ganz wenigen Auffangzentren, denen das Tierwohl noch wichtiger ist als das Geschäftliche. Alle anderen versuchen Touristen anzulocken, indem sie ihnen näheren Kontakt zu den Tieren erlauben, obwohl dies den Tieren schadet. Das Pilpintuwasi macht das nicht und setzt trotz der schwierigen finanziellen Situation alles daran, den Tieren das Leben so schön wie möglich zu machen 😊

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